Workshop 2019

14.03.2019

 

Presse/AG 6/Workshop 20.02.2019

Es ist unsere Pflicht, die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen mit Behinderung zu erfragen und Lösungen anzubieten!

Wz. Den Nachweis in der Praxis, für diese Forderung, demonstrierte eindrucksvoll ein vom Aktionsbündnis Landkreis Harz inklusiv, gemeinsam mit der Liv-Ullmann-Schule Wernigerode, am 20.02.2019 organisierter Workshop zum Thema:„Selbstbestimmt Wohnen und Leben für Menschen mit geistiger Behinderung“

Im sehr gut besuchten Foyer der Schule durch Schüler, Eltern, Bündnispartner, Dienstleister und Wohnungswirtschaftsunternehmen eröffnete Frau Cebulla, Leiterin der Schule mit einem Überblick über den Wandel in der Betreuung und Förderung junger Menschen. Ihre Ausführungen endeten in dem Appell, zum Ausprobieren und Mut haben zur Veränderungen.

Herr Liesegang, seit rund 30 Jahren Leiter des Wohnheim Plemnitzstift, erläuterte an Hand der Entwicklung der Einrichtung,die Veränderung in der Betreuung geistig behinderter Menschen.

Als Modellprojekt 1987 gestartet, hat sich die Einrichtung bis heute, zu einer Sonderform des Wohnens entwickelt, ein überzeugendes Beispiel für die Umsetzung der Forderung nach Förderung der Individualität durch die UN-Behindertenrechtskonvention (2009).  Das Recht auf Wohnen und Leben in der Gemeinschaft ist im Artikel 19 festgeschrieben und beinhaltet: Menschen mit Behinderung sollen selbst entscheiden wo sie wohnen und mit wem sie wohnen möchten. Sie können sich ihre Wohnform aussuchen. Sie können entscheiden, ob sie in einer eigenen Wohnung oder in einem Wohnheim wohnen möchten. Sie sollen die notwendigen Hilfen (Assistenz) bekommen, die sie benötigen.

Das Erfolgsrezept der Einrichtung orientiert sich ausschließlich an den Bedürfnissen und Wünschen der Menschen. „Ja, und vor allem die Schüler dieser Schule, sind unsere Lehrmeister in diesem Prozess. Sie sagen uns, wie sie leben möchten und wir müssen uns der Sache stellen. So gestalten wir gemeinsam, die Zukunft ist jetzt.“

Im Anschluss präsentierten Lehrer und Schüler ihre Vorstellungen zum selbständigen Wohnen und Leben. Frau Walter erläuterte die Vermittlung von Kompetenzen und die veränderten Bedingungen für das selbständige Wohnen nach dem Lehrplan der Berufsschule. Die Schüler Mallon und Schweimler, berichteten über ihre praktischen Erfahrungen zum eigenen Wohnen mit unterstüt-zender Assistenz.

Die Lehrerinnen Frau Ertelt und Frau Waskewitz, präsentierten gemeinsam mit Schülervertretern, die Ergebnisse einer Befragung zum Wohnen (Wunschort des Wohnens, Vorstellung zur Wohnform, Kenntnis über Wohnformen im Landkreis Harz, Mit wem möchte man Wohnen?).

In der lebhaften Diskussion wurde noch einmal der Stellenwert auf Selbstbestimmung zum Wohnen aufgezeigt. Lediglich 3 bis 5 Prozent der behinderten Menschen machen sich auf den Weg zum selbstbestimmten Wohnen. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen, wie Mangel an Sozial-wohnungen, die zur Verfügung stehenden Mittel für Wohnungsmieten, der Behördenirrsinn: 3 Angebote bei prekärem Wohnungsmarkt vorzulegen u.v.a.m., zeigen aber auch die Hemmnisse und die große Herausforderung zur Veränderung.

Mit dem Workshop setzt das Aktionsbündnis LK Harz inklusiv konsequent die im kommunalen Aktionsplan enthaltene Aufgabenstellung zur Förderung der Selbständigkeit und Vorbereitung auf ein Leben in einer eigenen Wohnung um. Ziel ist die Initiierung und Unterstützung von Modellprojekten und die Entwicklung neuer Wohnformen, deren Finanzierung nachhaltig gesichert ist.

Fazit: Menschen mit Behinderungen sollen zunehmend besser befähigt werden, selbstbestimmt Entscheidungen zum Ort ihres Lebens zu treffen. Sie sollen Eingliederungshilfe entsprechend ihres individuellen Hilfebedarfs erhalten, unabhängig davon, wo und mit wem sie wohnen wollen. Ihr Wunsch- und Wahlrecht ist in jeder Hinsicht zu respektieren.